Viele Menschen, die im Erwachsenenalter mit Adipositas leben, waren bereits als Kinder oder Jugendliche betroffen. Deshalb lohnt es sich, den Fokus früh auf die Lebensphase zu legen, in der Gewohnheiten entstehen und sich das Selbstbild entwickelt.
Der Weltadipositastag am 4. März erinnert jedes Jahr daran, Adipositas als chronische Erkrankung ernst zu nehmen. In diesem Jahr richten wir den Blick besonders darauf, wie wichtig Unterstützung bereits im Kindes- und Jugendalter ist.
Verbreitung von Adipositas in Zahlen
Weltweit hat Adipositas in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen: Im Jahr 2022 lebte etwa jede achte Person mit Adipositas. Seit den 1990er-Jahren hat sich die Zahl der betroffenen Erwachsenen mehr als verdoppelt, die der Kinder und Jugendlichen sogar vervierfacht. Auch in der Schweiz zeigt sich die grosse Verbreitung deutlich: Rund 43 Prozent der Erwachsenen leben mit erhöhtem Körpergewicht: Etwa 31 Prozent mit Übergewicht und rund 12 Prozent mit Adipositas.
Ein Thema, das viele Familien betrifft
Aktuelle Daten zeigen, wie früh Gewichtsprobleme beginnen: In der Schweiz sind bei Kindern im Alter von 6 bis 12 Jahren rund 12 Prozent von Übergewicht betroffen, knapp 3 Prozent leben mit Adipositas¹. Betrachtet man alle Schulstufen, lebt etwa jedes sechste Kind oder jede sechste jugendliche Person mit erhöhtem Körpergewicht², und der Anteil steigt mit zunehmendem Alter deutlich an.
Auch das Umfeld spielt eine entscheidende Rolle. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt für Kinder und Jugendliche täglich mindestens 60 Minuten Bewegung mit mittlerer bis hoher Intensität. Dennoch erreichen nur rund 18 Prozent der 11- bis 15-Jährigen diese Empfehlung³. Diese Zahlen zeigen, wie stark Alltag, Lebensbedingungen und gesellschaftliche Rahmenfaktoren die Entwicklung beeinflussen.
Früh begleiten statt später aufholen
Adipositas ist eine chronische und komplexe Erkrankung. Sie entsteht durch ein Zusammenspiel biologischer, psychischer, sozialer und umweltbedingter Faktoren und ist kein persönliches Versagen. Gerade Kinder und Jugendliche brauchen deshalb ein Umfeld, das sie stärkt, statt sie zu stigmatisieren.tärkt, statt sie zu stigmatisieren.
Erfahrungen aus der Betreuung von Menschen mit Adipositas zeigen, wie entscheidend eine frühzeitige Begleitung ist. Wenn Familien rechtzeitig Zugang zu verständlicher Information, medizinischer Unterstützung und alltagstauglichen Lösungen erhalten, lassen sich gesundheitliche Risiken reduzieren und gleichzeitig Selbstvertrauen und Lebensqualität stärken.
Respektvolle Sprache macht einen Unterschied
Auch die Art, wie wir über Adipositas sprechen, prägt den Umgang mit Betroffenen. Statt von «adipös» oder «übergewichtig» sprechen wir von «Menschen mit Übergewicht oder Adipositas» oder «Menschen, die mit Adipositas leben» und stellen so den Menschen in den Mittelpunkt, nicht die Erkrankung. Eine respektvolle Sprache und ein unterstützendes Umfeld tragen dazu bei, Vorurteile abzubauen und es Betroffenen zu erleichtern, Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Adipositas betrifft uns alle: als Familien, als Gesellschaft und im Gesundheitswesen. Deshalb ist es wichtig, dass Diskriminierung und Stigmatisierung keinen Platz haben. Je früher Unterstützung beginnt, desto grösser sind die Chancen, dass Kinder und Jugendliche gesund aufwachsen und ihren eigenen Weg mit mehr Sicherheit und Lebensqualität gestalten können.
Quellen
¹ Schweizerische Gesundheitsbefragung 2022 (Bundesamt für Statistik)
² Vergleichendes BMI-Monitoring Kinder und Jugendliche, Gesundheitsförderung Schweiz
³ Körpergewicht und Bewegung in der Schweiz – Zahlen und Fakten, Bundesamt für Gesundheit
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