Moderne Medikamente und die bariatrische Chirurgie können beide zu einer deutlichen Gewichtsabnahme führen. Die wissenschaftlichen Daten zeigen jedoch, dass sich die langfristigen Behandlungsergebnisse deutlich unterscheiden. In diesem Merkblatt fassen wir die wichtigsten Punkte für Sie zusammen.
1. Wie viel Gewicht kann ich verlieren?
Sowohl moderne Medikamente wie Semaglutid oder Tirzepatid als auch eine bariatrische Operation können zu einer deutlichen Gewichtsabnahme führen. Das endgültige Ergebnis zeigt sich in der Regel innerhalb des ersten Jahres nach Therapiebeginn.
Bei beiden Therapieformen ist die Änderung des Lebensstils mit einer ausgewogenen Ernährung und ausreichend Bewegung wichtiger Bestandteil des Behandlungserfolgs.
Die folgende Grafik zeigt, welcher Gewichtsverlust je nach Methode zu erwarten ist:

Der Gewichtsverlust wird nach Erreichen eines stabilen Gewichts beurteilt. Dies ist in der Regel innerhalb des ersten Jahres nach Therapiebeginn der Fall.
Das bedeutet:
Sowohl Medikamente wie auch eine Operation jeweils in Verbindung mit einer Anpassung der Bewegungs- und Ernährungsgewohnheiten helfen beim Abnehmen. Mit einer bariatrischen Operation fällt der durchschnittliche Gewichtsverlust jedoch deutlich grösser aus als mit Medikamenten.
2. Wie wirken sich die Therapien auf Begleiterkrankungen aus?
Starkes Übergewicht kann Begleiterkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhte Blutfettwerte verursachen. Sowohl eine medikamentöse Adipositas-Therapie als auch eine bariatrische Operation können diese positiv beeinflussen.

Die Grafik zeigt den Anteil der Patientinnen und Patienten, bei denen sich die jeweilige Erkrankung deutlich verbessert oder zurückbildet.
Diabetes
Bei erhöhten Blutzuckerwerten können moderne Medikamente das Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, deutlich senken. Besteht bereits ein Diabetes, kann er sich sowohl unter einer medikamentösen Therapie als auch nach einer bariatrischen Operation zurückbilden. Die Rückbildung gelingt nach einer Operation jedoch deutlich häufiger.
Bluthochdruck
Beide Therapieformen können den Blutdruck senken. Nach einer Operation können mehr Patientinnen und Patienten ihre Blutdruckmedikamente reduzieren oder ganz absetzen.
Erhöhte Blutfettwerte
Auch die Blutfettwerte können sich nach beiden Therapien verbessern. Die stärkere Wirkung zeigt sich nach einer bariatrischen Operation.
Das bedeutet:
Beide Therapieformen können Begleiterkrankungen günstig beeinflussen. Nach einer bariatrischen Operation bilden sich Diabetes, Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte häufiger zurück als unter einer medikamentösen Therapie.
3. Wie senken die Therapien das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall?
Starkes Übergewicht erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Sowohl eine medikamentöse Adipositastherapie als auch eine bariatrische Operation können dieses Risiko deutlich senken.

Die Grafik zeigt, um wie viel das Risiko für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall durch die jeweilige Therapie gesenkt werden kann.
Das bedeutet:
Beide Therapieformen können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich senken. Nach einer bariatrischen Operation ist dieser Effekt jedoch grösser.
4. Wie wirken sich die Therapien auf eine Fettleber aus?
Eine Fettleber ist eine häufige Folge von starkem Übergewicht. In manchen Fällen kann sie sich entzünden und die Leber dauerhaft schädigen. Mit einer Gewichtsabnahme kann auch das Leberfett deutlich zurückbilden.

Die Grafik zeigt, bei wie vielen Patientinnen und Patienten sich eine Fettleber nach der jeweiligen Therapie zurückbildet.
Das bedeutet:
Beide Therapieformen können eine Fettleber verbessern. Nach einer bariatrischen Operation bildet sich das Leberfett jedoch häufiger zurück als unter einer medikamentösen Therapie.
5. Wie beeinflussen die Therapien das Risiko für bestimmte Krebsarten?
Starkes Übergewicht erhöht das Risiko für verschiedene Krebsarten, darunter Darmkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs und Krebs der Gebärmutterschleimhaut. Nach einer bariatrischen Operation sinkt das Risiko für bestimmte Krebsarten um etwa 30 bis 40 Prozent. Für moderne Medikamente gibt es derzeit noch keine Langzeitdaten.

Das bedeutet:
Nach einer bariatrischen Operation sinkt das Risiko für bestimmte Krebsarten um
etwa 30 bis 40 Prozent. Für die medikamentöse Adipositastherapie gibt es derzeit noch keine Langzeitdaten. Aufgrund der Gewichtsabnahme ist jedoch auch hier ein positiver
Effekt wahrscheinlich.
6. Wie verändert sich die Lebensqualität?
Eine erfolgreiche Behandlung der Adipositas wirkt sich nicht nur auf das Gewicht aus. Viele Patientinnen und Patienten fühlen sich im Alltag wieder beweglicher und belastbarer. Auch Schmerzen können abnehmen und das psychische Wohlbefinden kann sich verbessern.

Das bedeutet:
Beide Therapieformen können die Lebensqualität verbessern. Nach einer bariatrischen Operation fällt diese Verbesserung jedoch stärker aus.
7. Was bedeutet das für meine Entscheidung?
Sowohl moderne Medikamente als auch die bariatrische Chirurgie sind in Verbindung mit einer Umstellung der Ernährungsgewohnheiten und mehr körperlicher Aktivität beides wirksame Behandlungsmöglichkeiten bei Adipositas. Gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt wählen Sie die Therapie, die am besten zu Ihrer persönlichen Situation passt.
Hier nochmal das Wichtigste auf einen Blick:
Vorteile

Zu beachten:

Fazit
Die wissenschaftlichen Daten zeigen: Die bariatrische Chirurgie erzielt derzeit die stärksten und langfristigsten Ergebnisse bei der Behandlung der Adipositas.
Moderne Medikamente haben die Behandlungsmöglichkeiten in den letzten Jahren deutlich verbessert und erreichen in einigen Bereichen bereits Ergebnisse, die sich der Chirurgie annähern.
Blick in die Zukunft
Die Behandlung der Adipositas wird künftig wahrscheinlich verschiedene Therapieformen miteinander kombinieren, um das optimale Resultat für den Patienten zu erreichen:
Lebensstilveränderung +/- Medikamente +/- Chirurgie
Quellen
STEP-1 (Semaglutid)
Wilding JPH et al. Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity.
New England Journal of Medicine. 2021.
https://doi.org/10.1056/NEJMoa2032183
SURMOUNT-1 (Tirzepatid)
Jastreboff AM et al. Tirzepatide Once Weekly for the Treatment of Obesity.
New England Journal of Medicine. 2022.
https://doi.org/10.1056/NEJMoa2206038
SELECT (Herz-Kreislauf-Risiko)
Lincoff AM et al. Semaglutide and Cardiovascular Outcomes in Obesity without Diabetes.
New England Journal of Medicine. 2023.
https://doi.org/10.1056/NEJMoa2307563
SM-BOSS (Bariatrische Chirurgie)
Peterli R et al. Effect of Laparoscopic Sleeve Gastrectomy vs Laparoscopic Roux-en-Y Gastric Bypass on Weight Loss in Patients With Morbid Obesity.
JAMA. 2018.
https://doi.org/10.1001/jama.2017.20897
SLEEVEPASS
Salminen P et al. Effect of Laparoscopic Sleeve Gastrectomy vs Roux-en-Y Gastric Bypass on Weight Loss, Comorbidities and Reflux at 10 Years.
JAMA Surgery. 2022.
https://doi.org/10.1001/jamasurg.2022.2229